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	<title>Kochwissen &#187; Nitro</title>
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		<title>Verwegen Kochen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 16:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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<p>In der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung stehen Zubereitungen mit fl&uuml;ssigem Stickstoff exemplarisch f&uuml;r die Molekulark&uuml;che. Das liegt in erster Linie an den eindrucksvollen Bildmotiven, die sich im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Technik schaffen lassen und die &uuml;ber Presse und Fernsehen transportiert werden. G&auml;ste, die beim Verkosten von kryogenen Stickstoffzubereitungen aus der Nase dampfen wie eine P8-Lokomotive aus dem Jahre 1911 bei Tempo 100, sind nat&uuml;rlich beliebte Fotomotive. Sorgte Mitte des letzten Jahrhunderts noch das flambierte Crêpe Suzette f&uuml;r Aaahs und Ooohs am Tisch, ist es heute das Nitro. In Wahrheit geben Stickstofftechniken aber nur einen sehr kleinen und h&ouml;chst unrepr&auml;sentativen Eindruck von dem wieder, was molekular inspiriertes Kochen tats&auml;chlich ausmacht. Das sollte &#8211; bei allem Vergn&uuml;gen, die Nitros dem Gast in der Regel bereiten &#8211; im Bewusstsein aller Beteiligten verankert sein. Kochen und Spa&szlig; oder vielmehr Haute Cuisine und Freude am Essen wie passt das zusammen? Die New Daring Cooks lieben das Spiel mit den Widerspr&uuml;chen, genie&szlig;en die &uuml;berraschten Augenblicke der G&auml;ste, die &uuml;ber die Kreationen staunen und r&auml;tseln. Wer m&ouml;chte nicht auch wissen wie ein hei&szlig;es Eis funktioniert, Geschmacksexplosionen realisiert werden und eine Spannung im Essen auftaucht die wir &uuml;ber Jahre vermisst haben. Essen ist wieder mehr als blo&szlig;e Aufnahme von<br />
Nahrung. Es ist ein sinnliches Erlebnis. Die Aufmerksamkeit der G&auml;ste ist in die Restaurants zur&uuml;ckgekehrt. Nicht auf die Ansammlung ewiger Kochwahrheiten kommt es an, sondern auf Fortschritt durch kulinarische Revolutionen. Es liegt in der Natur der revolution&auml;ren Sache, dass auch kulinarische Umw&auml;lzungen in einer Atmosph&auml;re heftigen Widerstreits zwischen Bewahrern und Erneuern passieren. Vor allem die Bewahrer fahren schweres Gesch&uuml;tz auf und schrecken auch vor einer Diskreditierung von Molekularer Gastronomie und New Daring Cuisine nicht zur&uuml;ck. Mit Labork&uuml;che und chemischer Keule hat die neue Avantgardek&uuml;che jedenfalls so viel zu tun wie der Verzehr von Haribo Goldb&auml;ren mit Verst&ouml;&szlig;en gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen.</p>
<p>Mit der so genannten molekularen K&uuml;che begr&uuml;nden ihre K&ouml;che eine neue Tradition. Eine Tradition, die Wissenschaft und K&uuml;che miteinander verbindet. Wir befinden uns mitten in der dritten Kochrevolution nach der Einf&uuml;hrung des Men&uuml;service durch Escoffier um 1900 und der Nouvelle Cuisine in den 70er Jahren. Mit der molekularen K&uuml;che erleben wir gerade die Geburt eines neuen Kochverst&auml;ndnisses, das Wissenschaft und Kochhandwerk zum ersten Mal in der Geschichte so eng miteinander verbindet. Es entsteht eine sprachliche Emulsion aus culinary arts und food technology die in dem Begriff Culinology zusammengefasst wird. Kochen und forschen erg&auml;nzen sich zu einer Kochwissenschaft, die das Wissen um den Geschmack und die Produkte zur nat&uuml;rlichen Steigerung der Qualit&auml;t einsetzt.</p>
<p>Nicht der naturidentische Geschmack, sondern der unverf&auml;lschte, intensive nat&uuml;rliche Geschmack und dessen Bewahrung stehen im Vordergrund. Die Wissenschaft liefert hier ihre Verfahren, die eben einen solchen Geschmack ohne k&uuml;nstliche Zus&auml;tze haltbar machen.</p>
<p>In Tagen, in denen Kochen &ouml;ffentlich und popul&auml;r ist, melden sich viele selbsternannte Experten zu Wort und urteilen meist polarisierend ohne den notwendigen Sachverstand. &Uuml;ber Geschmack l&auml;sst sich ja nicht streiten oder vielleicht doch? Wir forschenden K&ouml;che nehmen unsere Passion sehr ernst. Mit der molekularen K&uuml;che wird keine Kunstform etabliert die Profitziele verfolgt. Vielmehr folgen wir unserer Neugier, tragen unserer Offenheit Rechnung, bauen auf Traditionen den Fortschritt , haben Freude an der Kreativit&auml;t und lassen uns von der Natur mit ihren Produkten und Gesetzen immer wieder gern herausfordern.</p>
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